MINT-Zentrum Hirschaid
Ein ehemaliger Getreidespeicher wird zum Lernort der Zukunft
Mit dem MINT-Zentrum Hirschaid ist ein außerschulischer Bildungs- und Begegnungsort entstanden, der vorhandene Bausubstanz mit nachhaltiger, zeitgemäßer Architektur verbindet. Der ehemalige BayWa-Getreidespeicher und eine neu errichtete Veranstaltungsarena bilden gemeinsam ein vielseitig nutzbares Ensemble für digitales Lernen, kreatives Arbeiten und gemeinschaftlichen Austausch.
Das Projekt wurde in zwei Bauabschnitten entwickelt: Den ersten Baustein bildet die multifunktionale Veranstaltungsarena. Im zweiten Bauabschnitt wurde der ehemalige Getreidespeicher zum Lernzentrum umgenutzt und schrittweise für die Anforderungen des MINT-Zentrums ausgebaut.
Heute bietet das Zentrum Kindern und Jugendlichen Raum, um Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik praktisch zu erleben. Ein zentraler Bestandteil ist das TUMO-Lernprogramm, das selbstständiges Lernen mit Workshops aus digitalen und kreativen Themenfeldern verbindet.
Umbau des ehemaligen Getreidespeichers
Der massive Bestandsbau des früheren Getreidespeichers bildet das räumliche Rückgrat des MINT-Zentrums. Im Zuge der Umnutzung wurden das Erd- und Untergeschoss für die neue Nutzung als außerschulischer Lernort ausgebaut.
Die ursprüngliche Genehmigungsplanung sah im Erdgeschoss zunächst einen großzügigen, offenen Ausstellungsbereich vor. Mit der Konkretisierung des pädagogischen Konzepts wurde die Raumstruktur anschließend weiterentwickelt und auf die Abläufe des TUMO-Lernprogramms abgestimmt.
Entstanden sind flexibel nutzbare Workshop- und Lernräume, die unterschiedliche Formen des Arbeitens ermöglichen. Kleinere Raumeinheiten bieten Platz für angeleitete Workshops und konzentrierte Gruppenarbeit. Ergänzt werden sie durch offene Lern- und Begegnungsbereiche sowie Organisations-, Aufenthalts- und Nebenräume.
Die neue Raumaufteilung reagiert auf die bestehende Tragstruktur des ehemaligen Speichers und entwickelt sie funktional weiter. Dabei bleibt die industrielle Herkunft des Gebäudes ablesbar. Der Erhalt und die Weiternutzung des Bestands leisten zugleich einen wesentlichen Beitrag zum ressourcenschonenden Gesamtkonzept.
Das Untergeschoss ergänzt das Raumprogramm um Technik-, Lager-, und Sanitärbereiche.
Verbindung zwischen Bestand und Neubau
Zwischen dem geradlinigen Getreidespeicher und der frei geformten Arena entsteht ein räumliches Gelenk. Das gemeinsame Foyer übernimmt dabei weit mehr als eine reine Erschließungsfunktion: Es verbindet die unterschiedlichen Gebäudeteile, schafft Orientierung und bildet einen zentralen Ankunfts- und Begegnungsbereich.
Von hier aus werden sowohl die Workshopräume im Bestand als auch der offene Lern- und Veranstaltungsbereich der Arena erschlossen. Der angrenzende Innenhof erweitert das Raumangebot nach außen und unterstützt die offene, gemeinschaftliche Ausrichtung des Zentrums.
Multifunktionale Veranstaltungsarena
Als erster Bauabschnitt ergänzt eine elliptische Veranstaltungsarena den ehemaligen Getreidespeicher. Der architektonische Entwurf der Arena und ihrer charakteristischen Holzfassade stammt von der Architekten-Arbeitsgruppe Scheicher. Die Tragwerksplanung wurde durch die Lang Ingenieure GmbH + Co.KG erarbeitet.
Die freie Gebäudeform setzt einen bewussten Kontrast zum geradlinigen, massiven Bestandsbau. Eine umlaufende Struktur aus vertikalen Holzlamellen prägt das äußere Erscheinungsbild und verleiht dem Neubau trotz seines großen Volumens eine leichte, fein gegliederte Wirkung.
Im Inneren bestimmen sichtbare Leimholzbinder, holzbekleidete Wände und die offen geführte technische Infrastruktur die Atmosphäre. Die Konstruktion und ihre Materialität bleiben bewusst ablesbar und werden damit selbst zum Anschauungsobjekt für nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen.
Das Erdgeschoss wird von der rund 225 m² großen Veranstaltungshalle geprägt. Ein vorgelagerter Empfangs- und Foyerbereich sowie Lager-, Technik- und Nebenräume ergänzen die Hauptnutzung. Im Obergeschoss befinden sich eine Galerie sowie Büro-, Besprechungs- und Technikräume.
Durch ihre offene Raumstruktur eignet sich die Arena für unterschiedliche Veranstaltungs-, Präsentations- und Lernformate. Im heutigen Betrieb wird sie unter anderem als großzügige Self-Learning-Area des TUMO-Lernprogramms genutzt.
Nachhaltige Konstruktion und Gebäudetechnik
Die Arena wurde als Holzbau mit massiven Bauteilen realisiert. Das Dachtragwerk besteht aus Leimholzbindern, während weitere Bauteile als vorgefertigte Holzkonstruktionen ausgeführt wurden. Rund acht Tonnen Stroh dienen als Dämmstoff innerhalb der Holzelemente.
Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sowie Systeme zur energieeffizienten Beheizung und Kühlung unterstützen den nachhaltigen Gebäudebetrieb. Das Energiekonzept verbindet erneuerbare Energiequellen mit einer möglichst ressourcenschonenden Konstruktion.
Die Arena zeigt, dass sich auch die komplexen Anforderungen einer Versammlungsstätte an Statik, Brandschutz, Akustik und Bauphysik mit Holz und nachwachsenden Baustoffen erfüllen lassen.
Bestand und Neubau im Dialog
Die besondere Qualität des MINT-Zentrums entsteht aus dem Zusammenspiel zweier sehr unterschiedlicher Gebäudetypologien. Der massive ehemalige Getreidespeicher steht für die industrielle Geschichte des Ortes. Die elliptische Arena verkörpert mit ihrer Holzkonstruktion und ihrer offenen Raumwirkung dessen zukunftsgerichtete Weiterentwicklung.
So wird das Gebäudeensemble selbst zum Teil des pädagogischen Konzepts: Transformation, Nachhaltigkeit und technischer Fortschritt werden nicht nur vermittelt, sondern unmittelbar räumlich erfahrbar.
Fotos: Heinl
Bauherr: Francum GmbH / Frank Seuling
Website: https://mint-zentrum-hirschaid.de
Standort: Leimhüll 27, 96114 Hirschaid
Leistungsphase: 5-9
Netto-Grundfläche: 1.927 m²
Realisierungszeitraum: 05/21 – 12/24










